Fit für die WHO 2030 – Wissen aneignen, Kompetenz vermitteln

Im Rahmen der Initiative werden Suchtpatient*innen von Mentor*innen aus der eigenen Peergroup entlang des gesamten Hepatitis-C-Versorgungspfades begleitet.

Das Portal für die Suchthilfe: Gemeinsam für ein Leben ohne Hepatitis C

FIT FÜR DIE WHO 2030 AUF EINEN BLICK

  • Bundesweites Trainings-Programm in Kooperation mit Suchthilfeeinrichtungen.
  • Basis sind interaktive Workshops, in denen ärztliche Referent*innen die Grundlagen und Updates zu HIV und Hepatitis C vermitteln und anschließend gemeinsam in interaktiven Sessions vertiefen und diskutieren.
  • Fit für die WHO 2030 richtet sich an Angehörige von sozialtherapeutischen Berufen rund um Sucht, Haft und Sexualität.
  • Die Workshops werden ergänzt durch weitere Angebote, wie beispielsweise Schulungstools und einen bundesweiten Austausch.

Wenn es darum geht, Drogengebraucher*innen über wichtige Infektionskrankheiten aufzuklären, herrscht unter Expert*innen Einigkeit: Der beste Ort dafür sind Suchthilfeeinrichtungen, die besten Ansprechpartner*innen die Sozialberater*innen, die dort arbeiten und zu welchen die Klient*innen oft ein offenes Vertrauensverhältnis aufgebaut haben. Die Berater können ihre Klienten niedrigschwellig über HIV- und HCV-Infektionen informieren, auf das erhöhte Infektionsrisiko beim intravenösen oder nasalen Drogenkonsum hinweisen, über Präventivmaßnahmen aufklären und sie zu Testung und Therapie motivieren. Allerdings passiert das bislang noch viel zu selten.

„Bisweilen wissen die Berater selbst nicht ausreichend Bescheid“, erklärt Olaf Ostermann, der in München zwei Condrobs Kontaktläden leitet. „Sie fürchten dann, dass sie Fragen nicht beantworten können, und sind eher zögerlich, das Thema Hepatitis C von sich aus bei ihren Klienten anzusprechen. Dabei wäre gerade das nötig, um betroffene Personen zu erkennen und sie in Behandlung zu bringen.“

Für das Team von Gilead war diese häufig geschilderte Erfahrung der Anlass, mit Fit für die WHO 2030 ein bundesweites Trainings-Programm ins Leben zu rufen.

Das Projekt zielt darauf ab, Sozialarbeiter*innen der Suchthilfe und -beratung so zu schulen, dass sie Drogengebraucher*innen qualifiziert über HIV- und HCV-Infektionen informieren und auf dem Versorgungsweg beratend begleiten können. Hierbei werden alle niedrig- und höherschwelligen Einrichtungen sowie Justizvollzugsanstalten adressiert. Dazu werden bundesweit in verschiedenen Städten interaktive und diskussionsreiche Workshops gehalten, die Grundlagenschulungen zur HCV- und HIV-Infektion beinhalten, sowie Tipps und Tricks, wie Sozialarbeiter*innen die Inhalte in den Beratungsalltag integrieren können.

Neben der Aufklärung der Klient*innen hat das Trainings-Programm zum Ziel, die Trainer*innen als Multiplikator*innen in den eigenen Einrichtungen zu stärken. Hierbei werden spezielle Schulungstools zur Verfügung gestellt und die Möglichkeit gewährleistet, die Themen zweimal jährlich über verschiedene Medien aufzubereiten und sich bundesweit mit Ärzt*innen und weiteren Trainer*innen auszutauschen.

Diese Maßnahmen sollen einen kontinuierlich hohen Standard in der HIV- und HCV-Aufklärung sicherstellen, und neben den einzelnen Teilnehmer*innen profitieren somit die gesamten Einrichtungen. So können die Sozialarbeiter*innen regelmäßige Auffrischungsschulungen anbieten, aktuelle Fragestellungen beantworten und neue Mitarbeiter*innen einarbeiten. Mittlerweile haben Sozialarbeiter*innen aus rund 60 Einrichtungen das Fit für die WHO 2030 Angebot angenommen. Willkommen sind alle Angehörigen der sozialtherapeutischen
Berufsbereiche rund um Sucht, Haft und Sexualität.

Die ärztlichen Trainer*innen im Fit für die WHO 2030 Programm fragen zunächst einmal die Teilnehmer, welche Rolle das Thema HIV- und HCV-Infektionen bei ihnen spielt und was sie darüber wissen. Und oft sind sie überrascht, wie nachrangig vor allem das Thema Hepatitis C teilweise angesehen wird. Aber die Workshops sind ja genau dazu da, das Bewusstsein und das Wissen um die HIV- und HCV-Infektion in einer offenen Atmosphäre zu fördern.

Die ärztlichen Trainer*innen machen den Teilnehmer*innen dann klar, wie weit die Erkrankungen unter Drogengebraucher*innen verbreitet sind und welch große psychosoziale Bedeutung sie aufgrund der krankheitsbedingten Symptome, der Vorurteile und der Stigmatisierung für die Betroffenen haben. Weiter geht es mit Informationen zu den Erkrankungen, Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten. Nach den Workshops sind die Teilnehmer*innen sehr gut informiert und können ihre Klient*innen über HIV- und HCV-Infektionen aufklären und beraten. Ziel ist es letztlich, Infektionen vorzubeugen, die Test- und Therapiebereitschaft von Drogengebraucher*innen zu erhöhen und die Adhärenz bei jenen zu stärken, die eine Therapie erhalten.

Gilead möchte mit Fit für die WHO 2030 die regelhafte Beratung zu HIV- und HCV-Infektionen bei Drogengebraucher*innen fördern und die Sozialarbeiter*innen durch die Bereitstellung von Schulungsmaterial, die Vernetzung von Einrichtungen und den Austausch von Wissen und Know-how stärken. Die Workshops finden jährlich abwechselnd und nach regionalem Bedarf statt und sind bisher in den Städten Köln, Düsseldorf, Frankfurt, Berlin, Regensburg und München gelaufen. Darüber hinaus stellt Gilead auch Workshop-begleitende Services zur Verfügung, die Teilnehmer*innen mit einem Interesse zur weiteren Teilnahme am Train-the-Trainer Programm zur Verfügung gestellt werden.

Ostermann schickt jährlich rund 15 Mitarbeiter*innen in die Workshops und erhält „durchweg positive Rückmeldung von ihnen“. An dem Engagement von Gilead begrüßt er vor allem, dass das Unternehmen erfahrene Referent*innen stellen kann.

Olaf Ostermann

ist Diplom-Sozialpädagoge und leitet die Condrobs Kontaktläden off+ und limit in München. Darüber hinaus ist er stellvertretender Geschäftsführer des Bereichs „Angebote für Ältere und niedrigschwellige Hilfen“ bei Condrobs.