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Versorgungsbarrieren identifizieren und überwinden – das „We Care!“ Projekt

Versorgungsbarrieren identifizieren und überwinden – das „We Care!“ Projekt

WE CARE AUF EINEN BLICK

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Grundlage des Forschungsprojektes ist ein standardisiertes Angebot zur HCV-spezifischen Beratung und Testung in der Dortmunder Drogenhilfeeinrichtung KiCK, die von der aidshilfe dortmund e.V. betrieben wird. We Care! selbst besteht aus

  • Leitfaden-gestützten Interviews mit Drogengebraucher*innen,

  • der Analyse der Antworten durch das We Care! Expertengremium zur Identifikation von fördernden und hemmenden Einflüssen auf die Inanspruchnahme des HCV-spezifischen Angebotes und

  • der Erarbeitung eines lebensweltorientierten Konzepts, um die Inanspruchnahme zu verbessern und die beteiligten Akteur*innen besser zu vernetzen

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Die Ausgangslage: Drogengebraucher*innen nehmen Hepatitis-C-Versorgungsangebote oft nicht an

Was die Hepatitis C anbelangt, werden selbst hervorragende Versorgungsangebote von Drogengebraucher*innen nicht immer so angenommen, wie sich das die Initiator*innen erhoffen. Die aidshilfe dortmund e.V. und Gilead wollen nun im Rahmen des Forschungsprojektes „We Care!“ herausfinden, warum das so ist und ein Konzept zur besseren Inanspruchnahme entwickeln, das sich an der Lebenswelt der Betroffenen orientiert.

Die Deutsche Aidshilfe e.V. und ihre regionalen Mitgliedsorganisationen widmen sich mittlerweile seit fast vier Jahrzehnten den Belangen von HIV-infizierten Menschen. „Sehr früh schon hatten wir dabei auch jene im Blick, die sich im Rahmen ihres Drogenkonsums mit HIV und anderen Erregern angesteckt hatten“, sagt Dirk Schäffer, Fachreferent Drogen und Strafvollzug in der Bundesgeschäftsstelle der Deutschen Aidshilfe e.V. in Berlin. Zu diesen Erregern zählt auch das Hepatitis-C-Virus (HCV). Menschen, die intravenös und/oder nasal Drogen konsumieren, haben ein hohes Risiko, sich damit zu infizieren. „Und deshalb steht auch das Thema Hepatitis C schon lange auf unserer Prioritätenliste“, so Schäffer.

Das gilt auch für die aidshilfe dortmund e.V. Dort werden die Drogengebraucher*innen in eigenen Räumlichkeiten der Drogenhilfeeinrichtung K!CK umfassend von dem Mitarbeiterteam betreut. „Wir bieten neben der klassischen alltagsorientierten Überlebenshilfe auch medizinische Beratung unter anderem zur HCV-Infektion an, informieren die Klienten über Präventionsmaßnahmen und können auch einen Hepatitis-C-Test durchführen“, erläutert Geschäftsführer Willehad Rensmann. „An bestimmten Tagen in der Woche kann dieser innerhalb von wenigen Minuten, anonym, kostenlos und auch ohne Krankenversicherung durchgeführt werden. Klienten, die positiv getestet werden, erhalten dann auf Wunsch einen Case-Manager zur Seite gestellt, der sie bei allen weiteren Schritten begleitet.“

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Hepatitis C? Andere Belange haben Priorität!

Damit haben Herr Rensmann und sein Team ein vorbildliches Angebot geschaffen, mit niedrigschwelligem Zugang und einer engmaschigen Begleitung, die die Klient*innen auf dem Versorgungspfad unterstützt. „Trotzdem können wir Drogengebrauchende oft nicht so für das Thema Hepatitis C sensibilisieren, testen und bei Bedarf in Behandlung bringen, wie wir uns das vorstellen“, berichtet Rensmann.

Dieses Problem kennt auch Schäffer von der Deutschen Aidshilfe e.V. „Natürlich gibt es bei Menschen, die Drogen konsumieren, zunächst andere Prioritäten“, räumt er ein. „Da geht es beispielsweise eher darum, an saubere Spritzen zu kommen, Wäsche zu waschen, mittags etwas Warmes zu essen zu haben, und auch Drogen zu organisieren.“ Andererseits sehe man schon, dass auch ein Interesse an Gesundheitsthemen besteht. „Wir müssen daher herausfinden, was die Klienten hindert, unsere Angebote anzunehmen, bzw. was wir noch tun könnten, um sie dazu zu motivieren.“ Genau das möchten die aidshilfe dortmund e.V. und Gilead mit dem gemeinsamen Forschungsprojekt We Care! herausfinden, um daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten, welche die an der Betreuung und Versorgung von drogengebrauchenden Menschen beteiligten Berufsgruppen integrieren, um eine bessere Versorgungsanbindung zu erreichen.

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Interviews sollen Versorgungsbarrieren und mögliche Ressourcen offenlegen

„Wesentlicher Bestandteil von We Care! sind qualitative Leitfaden-gestützte Interviews mit Drogengebrauchern“, erläutert Rensmann. „Auf diesem Weg wollen wir herausfinden, was die Inanspruchnahme von Hepatitis-C Beratung, -Test und -Behandlung positiv oder negativ beeinflusst.“ Die Antworten werden gemeinsam mit einem Expertengremium analysiert, dem zwei Ärzte (ein Infektiologe sowie ein Suchtmediziner) und Dirk Schäffer angehören.

„In der zweiten Projektphase werden wir mit diesem Gremium dann ein Handlungskonzept erarbeiten, das sich an der Lebenswelt und den Bedürfnissen der Drogengebraucher orientiert“, so Rensmann. „Es wird dann bundesweit allen Drogenhilfeeinrichtungen zur Verfügung stehen und soll die Inanspruchnahme der Hepatitis-C-spezifischen Angebote in ganz Deutschland verbessern.“

Das Engagement von Gilead erleben Schäffer und Rensmann als große Hilfe. „Es ist nicht selbstverständlich, dass sich die pharmazeutische Industrie den Interessen von Drogengebrauchern widmet“, kommentiert Schäffer. „Mit der Abteilung Disease Awareness unterstützt Gilead Einrichtungen in der Drogenhilfe und ermöglicht es uns, Projekte wie We Care! zu starten, welche der Aufklärung, dem Case-Finding und der Anbindung an die Behandlung dienen, und die wir ansonsten kaum durchführen könnten.“ Das bestätigt auch Rensmann: „Die Mitarbeiter der Disease Awareness Abteilung sind wirklich sehr engagiert, die Zusammenarbeit ist unkompliziert und effizient.“

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Drogenhilfe und Ärzteschaft müssen sich ändern

Unabhängig davon, welche Barrieren We Care! identifizieren wird: Für Rensmann ist klar, dass sich Einiges an den bestehenden Versorgungsstrukturen ändern muss, um die HCV-Infektion bis 2030 zu eliminieren. So müsse man auf Seiten der Drogenhilfe der Erkrankung einen höheren Stellenwert als bisher einräumen und das Thema aktiv bei den Klient*innen anschneiden. „Wir können ja nicht erwarten, dass die Klienten damit auf uns zukommen.“ Aber auch auf Seiten der Ärzt*innen wünscht er sich mehr Engagement für die Hepatitis C, vor allem von jenen, die substituieren. Und schließlich drängt er darauf, dass Drogenhilfe und ärztliche Behandlung besser verzahnt werden und ärztliche Leistungen idealerweise in Einrichtungen der Drogenhilfe angeboten werden. „Wir sollten unseren Klienten dort Angebote machen, wo sie sich täglich aufhalten, und ihnen nicht zusätzliche Wege aufbürden“, so Rensmann.

Können Projekte wie We Care! dazu etwas beitragen? „Ich habe schon die Hoffnung, vor allem wenn es uns gelingt, erfolgreiche Projekte in ein Regelangebot zu überführen“, sagt Schäffer. „Es gibt sicherlich einfachere Anliegen, mit denen man sich an Länder, Kommunen und andere Träger wenden kann, aber es gelingt. Und letztlich ist es auch Teil unserer Arbeit, dazu beizutragen, dass die Politik den Bedarf sieht und ihre Haltung gegenüber den Drogengebrauchern verändert.“

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Projektergebnisse

We Care! Eckpunkte-Papier

Um d/lenken in der Gesundheitsarbeit der Drogenhilfe; Eckpunkte-Papier für Mitarbeitende der Drogenhilfe, behandelnde Ärzt*innen und Substitutionsärzt*innen

Download

We Care! DGS Kurzvortrag 2020

Kurzvortrag vom Projektleiter Willehad Rensmann der aidshilfe dortmund e.v. zu den Projektergebnissen von We Care! im Rahmen des DGS 2020

zum Video

We Care! Projektabschlussbericht der aidshilfe dortmund e.v.

Rensmann, Willehad (2020). „we care“: Qualitative Studie zum HCV-bezogenen Gesundheitsverhalten Drogengebrauchender. Dortmund.

mehr erfahren

Projekt We Care! im Drogenkurier

Weitere Informationen zum Projekt We Care! im Artikel des Drogenkuriers 12/2020 (S. 26/27)

Download

WILLEHAD RENSMANN

ist Geschäftsführer der aidshilfe dortmund e.V. und Leiter des Projektes We Care! in der Dortmunder Drogenhilfeeinrichtung K!CK

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DIRK SCHÄFFER

ist Fachreferent für Drogen und Strafvollzug bei der Deutschen Aidshilfe e.V. in Berlin und Mitglied des Expertengremiums bei We Care!

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